| Be Sick Go Big Rodeo in Listrup
- Es gibt immer wieder Tage, an denen alles stimmt: Wasser, Wetter und die Mitpaddler. Vor 10 Jahren wurde so ein Tag einmal KAVU-Day genannt und es gab sogar ein Video über diese Ausnahmetouren. Wir möchten euch mit diesen Bildberichten dazu anregen, einmal in euch zu gehen, wann ihr euren letzten richtig schönen Paddeltag hattet. Und wenn ihr Lust habt, auch darüber zu berichten, mailt uns einfach ein paar Zeilen mit euren Eindrücken und sendet uns die passenden Bilder dazu. Wir veröffentlichen es gern. Egal, welcher Schwierigkeitsgrad, egal ob Genusstour einen Fluss hinab oder ein schöner Nachmittag am Playspot. Alles ist willkommen, was unter den Oberbegriff „Soulboating“ fällt, denn nicht von ungefähr trägt diese Website den Namen Soulboater.com.
Diesen Bericht schickte uns Lucas Pfennig. Er berichtet von einem Ausnahmetag an einem Playspot in der Norddeutschen Tiefebene, der normalerweise nicht einmal Wanderfahrern ein müdes Lächeln abringt. Aber bei Hochwasser sieht alles doch ein bissel anders aus ...

Ein Blick auf die Pegel genügte um uns ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Lenne 340cm (190cm Warnwert), Ems-Greven 680cm (600cm Warnwert) ein Genuss! Da war uns sofort klar, am Wochenende läuft Listrup und das im Sommer. Normalerweise übersteigt die Temperatur gerade so die Paddlerzahl und wir waren meistens zu zweit! Aber nicht diesmal! Wetterbericht prophezeit Sonne und über 25 Grad. Beste Aussichten für ein Spontanrodeo.
Erst nur so angedacht, hatten wir schnell einen kleinen Text geschrieben und im Handumdrehen auf den bekannten Portalen gepostet. Man sollte wissen, das war am Mittwoch Abend. Doch die Freestylegemeinde ist spontan genug, schon am Freitag zum Wellentest aufzulaufen. Der Nordhorner Verein gesellte sich zu uns, als wir gerade die Welle testeten. Der Pegel stieg zusehends, sodass wir sogar Sorge hatten, es würde zu viel....

Am Eventtag musste Benjamin noch seine "Sklavenarbeiten" als Zivi beenden, bevor wir um ca.13 Uhr loskamen. Um 14 Uhr standen wir dann an der Welle. Schon auf dem Parkplatz war klar: Nachricht ist angekommen! Zugemüllte Kombis mit zurückgeklappten Rücksitzen, obligatorische Dachträger und Nordhorner Kennzeichen verrieten gleich die Schlange im Kehrwasser.

Zahlreiche Passanten schauten gespannt in Richtung Welle. Nach kurzer Begrüßung der bekannten Gesichter vom Vortag und der halbnackten Fotografen wurde sich schnell umgezogen. Die Welle war im Gegensatz zum Vortag besser geworden. Sie war aber immer noch sehr stark pulsierend, sodass viele schon beim Versuch der Einfahrt mitgerissen wurden. Der Vorteil lag dadurch darin, dass sich die Anzahl der gut ein Dutzend Fahrern kaum in der Wartezeit bemerkbar machte.

Ich erfuhr, dass einige der Paddler schon seit morgens 9 Uhr auf dem Wasser waren und auch bald wieder gehen würden. Dann folgte eine längere Paddelsession mit vielen Leuten, wobei schöne Moves und krasse Washouts akustisch von der Warteschlange zur Kenntnis genommen wurden.

Das sehr stark steigende Wasser und auch die Tatsache das es die grösste Hochwasserspitze dieses Jahr war, verursachte ein mitunter nicht ganz ungefährliches Problem: Treibgut! Im Minutentakt kamen dickere Äste, welche beim unverhofften Treffer eines Surfers nicht ganz ungefährlich gewesen wären, den Bach hinunter. Am Freitag kam dann sogar ein ganzer Baumstamm runter, 5 Meter lang und gut 40 cm im Durchmesser trieb er unbeeindruckt durch die Welle. Ein weiterer kleinerer Logtree besuchte uns dann auch am Samstag. Zum Glück wurden beide Bäume von oben stehenden Zuschauern rechtzeitig entdeckt und die Paddler von ihnen gewarnt, so kam es weder zu Unfällen, Verletzungen ja nicht einmal zu einer brenzligen Situation.

Auffällig waren auch die zum Teil in zwei Reihen stehenden Passanten, die fast wie eine Fangemeinde zu fast jeder Zeit die Paddlerzahl um das Doppelte übertrafen. Überraschend war auch das rege Interesse des angrenzenden Segelclubs. Zahlreiche Schönwettersegler kamen und staunten über diese Leute in ihren 6 Fuss Schiffchen.

Auch das oft erwähnte Vorurteil des "armen" Paddlers liess sich mit einem Blick vernichten. Zeitweise waren 4 Paddler mit digitalen Spiegelreflexkameras gleichzeitig dabei, die Moves ihrer Freunde und Freundinnen abzulichten. Da kam so leichtes Roter-Teppich-Feeling auf, allerdings ohne Teppich und ohne rot.

Am späten Nachmittag wurde dann der Grill aufgebaut, aber trotz Ankündigung hatte niemand Grillfleisch dabei, was uns aber nicht weiter störte. Wir grillten unsere eigenen Steaks und haben es uns schmecken lassen. Im Laufe dieser Zeit verabschiedeten sich auch die meisten Paddler. Dann trudelten plötzlich noch die Münsteraner ein und wir gesellten uns doch noch mal zusammen aufs Wasser.

Jetzt war die Welle auch viel schaumiger und hielt besser. Die Läufe wurden länger und die Wartezeiten erreichten doch schon wieder den nervigen Bereich, obwohl nur 3-5 Paddler noch auf dem Wasser waren.

Im Rückblick war der Event ein voller Erfolg und ich denke alle hatten ihren Spaß. Die Welle hätte sicher besser sein können. Vor allem für die Anfänger, welche doch schon eine Menge Schwierigkeiten bei der Einfahrt hatten. Ich hätte mir etwas mehr Beteiligung beim Grillen gewünscht, da Kohle kaufen und Grill saubermachen auch kein beliebter Zeitvertreib sind.

Aber trotzdem waren alle zufrieden und hatten viel Spass. Einige lernten neue Moves, andere schauten nur zu. Aber auch der Freestylesport wurde etwas bekannter gemacht.
Lucas
Layout und Bearbeitung: Jan-Peter |