| Hamburg war schon ganz dicht dran, einen künstlichen Wildwasserkanal wie in Sydney zu bekommen: Im Zuge der Bewerbung für die olympischen Sommerspiele 2012 war ein solcher Kanal mit einem künstlichem Pumpwerk in der Nähe von der Ruder- und Kanuregattastrecke bei Hamburg-Allermöhe geplant.
Als dann aber Leipzig das Rennen um die deutsche Bewerbung gewann, sind die Folgen bekannt: Das Projekt in Hamburg wurde zunächst auf Eis gelegt, dafür sind die Bauarbeiten in Markkleeberg bei Leipzig schon in vollem Gange, bereits im Sommer 2006 sollen die ersten Playboater und Wettkampfpaddler die künstliche Wildwasserstrecke nutzen können.
Nach diesem Dämpfer fürs Playboating in Hamburg sahen wir uns nach weiteren Möglichkeiten um und wurden auch überraschend schnell fündig. Aber besser der Reihe nach:
Skookumchuck – Diese Gezeitenstromschnelle mit ihrer fürs Meilensurfen super geeigneten Welle ist auf vielen Paddelvideos zu sehen.
Immer mehr Wildwasserpaddler entdecken die Möglichkeiten, die sich im Salzwasser für den Playboater bieten. In Europa das bekannteste Revier sind die Bitches in Schottland und in Deutschland die Gezeitenplayspots Neßmersiel bei Emden und Lüttmoorsiel nördlich von Husum, bei denen das Wasser jeweils durch eine Art Schleuse künstlich verengt wird und sich eine je nach Wasserstand fette Welle oder Walze bildet.
 Der Spot über google rivers - die Markierung zeigt die ungefähre Lage, leider ist gerade Ebbe und die Elbwelle trockengefallen
Einen echten Salzwasserplayspot , bei dem große Wassermassen durch die Gezeiten bewegt im 6 ½ stündigen Rhythmus hin- und herfliessen und dabei enorme Wellen, Walzen und Strudel erzeugen, die zum Kajakfahren genutzt werden können, kannte bei uns bisher noch niemand.
So etwas selbst zu bauen, ist bei einem grossen Fluss wegen der enormen Kräfte, die auf Hindernisse in der Strömung wirken, auch nicht gerade leicht.
Da kam es für uns Spielbootfahrer gerade zum richtigen Zeitpunkt, dass an der Unterelbe in Höhe von Hamburgs Nobelvorort Blankenese aber auf der anderen Flußseite die Flugzeugbaufirma Airbus eine neue Startbahn brauchte und dabei große Teile des für Naturschützer einzigartigen Süsswasserwatts Mühlenberger Loch mit Sandvorspülungen zugeschüttet werden mussten.
 Noch ist Niedrigwasser, aber die Flut läuft schon auf: Die Welle bildet sich
Wenige hundert Meter flussabwärts des Mühlenberger Lochs befinden sich mehrere Elbinseln, die den hier teilweise kilometerbreiten Strom künstlich einengen und dadurch Wassertiefe und vor allem die Strömung komprimieren. So etwas wirkt wasserbautechnisch wie eine Art Düse, die Strömung wird tiefer und reißender.
Durch die Schaffung einer künstlichen Halbinsel für die Startbahn veränderten sich auch flussabwärts davon in erheblichem Maße die Strömungen entlang der Uferlinie und alte Buhnen und Hindernisse aus Blocksteinen im Flussbett traten wieder hervor.
 bei auflaufender Flut von der Nordsee wird aus einer anfänglichen Walze eine gut surfbare Welle
Wenn jetzt alle 6 Stunden das Wasser hin- und herströmt und dabei einen Höhenunterschied von ungefähr zweieinhalb Metern ausgleicht, kann sich jeder ausmalen, was passiert, wenn ein kilometerbreiter Fluss mit hunderten oder bei Hochwasser sogar tausenden Kubikmetern Wasser pro Sekunde über Felsen und künstliche Buhnen strömt: Bei optimalem Wasserstand, der in diesem Zeitraum allerdings nur von relativ kurzer Dauer ist, entsteht bei in Richtung Hamburg laufendem Wasser zunächst eine gut haltende Walze, die mit steigendem Wasser zu einer langen brechenden Welle wird, bis das Hochwasser alles verschluckt und nur noch ein langsam fließender Ententeich bleibt. Bei Niedrigwasser liegt der Playspot sogar trocken auf einer Sandbank vor der Elbinsel.
Bei von Hamburg Richtung Nordsee laufendem Wasser ist der Effekt nicht so ausgeprägt, dann bildet sich merkwürdigerweise nur ein fieser Rücklauf für sehr kurze Zeit und sonst gar kein Playspot. Ideale Bedingungen also für Big-Water-Playboater, es funktionieren dank der permanenten Veränderung im Laufe einer Tide alle gängigen Walzen- und Wellenmoves. Für Segler kann die Walze dagegen extrem gefährlich werden, die meisten Freizeitkapitäne halten deshalb auch einen respektvollen Abstand von der Walze. Wasservögel wie Schwäne und Enten sind dagegen weniger respektvoll, sie scheinen sogar Vergnügen daran zu finden, bis kurz an den Playspot heranzuschwimmen und dann elegant in die Luft zu starten.
 Franzi testet den Playspot bei optimalem Wasserstand.
Etwas anstrengend aber auch ähnlich wie bei den Bitches oder Skook ist der Zugang zum Spot: Je nach Tide entweder von Wedel oder Blankenese aus die Elbe mit dem Playboat zu queren, kann angesichts des hohen Schiffsverkehrs mit über 300 Meter langen Tankern und Containerschiffen und bis zu 60 km/h schnellen Highspeed-Hochseekatamaren, die von Hamburg zur Nordseeinsel Helgoland rasen zu einer anspruchsvollen und nicht ungefährlichen Tour mit einem nur zwei Meter kurzen Spielboot werden. Da es sich bei der Elbe um eine Seeschifffahrtsstrassse handelt, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das Boot vorschriftsmäßig gekennzeichnet ist: Bootsname und Heimathafen müssen in zehn Zentimeter großen Buchstaben auf dem Oberschiff aufgemalt oder geklebt sein und bei schlechter Sicht ist eine weiße Rundumleuchte sichtbar zu führen. Findige Paddler schrauben sich eine Stirnlampe o.ä. auf den Helm, um nicht gegen die Vorschriften zu verstossen, die übrigens genauestens von der Wasserschutzpolizei kontrolliert werden. Zelten ist dort aus naturschutzrechtlichen Gründen verboten und auch das Betreten der Insel ist in diesem Bereich untersagt. Man darf sich also nur direkt an der Walze aufhalten und sollte auffälliges Lagern oder Partys am Strand tunlichst unterlassen.
Da es sich bei dem Playspot um eine Spielstelle in einem Vogelschutzgebiet handelt, soll der genaue Standort hier nicht genauer beschrieben werden:
Am besten zur Elbinsel Schweinesand oder Hanskalbsand rüber und dann immer am Ufer entlang paddeln. Beim richtigen Wasserstand kündigt sich die Welle oder Walze schon von weitem durch spritzendes Wasser und lautes Rauschen an. Bitte unbedingt vorher aussteigen und sich ein Bild von der Situation in der Walze machen: Wer hier nicht mehr rauskommt und schwimmt, kommt nicht ohne weiteres wieder an Land und läuft Gefahr, von einem Ozeanriesen überfahren zu werden und eines ist sicher: Diese Schiffe haben einen kilometerlangen Bremsweg und der zuständige Ausguck auf der Brücke übersieht einen schwimmenden Paddler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.
Kurzinfo: Gezeitenplayspot westlich von Hamburg Fluß: Elbe Schwierigkeit: WW I –III (2,B)
Zugang nur per Boot, relativ lange Anpaddelstrecke 3-5 Kilometer je nach Einstieg in Wedel oder Blankenese.
Vorsicht: Reger Schiffsverkehr!
Übernachten mit dem Wohnmobil ist am Yachthafen Wedel möglich.
Weitere Infos bei
Jan-Peter |